Samstag, 9. Mai 2015

(Rezi) McPartlin, Anna - Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Rabbit Hayes liebt das Leben, ihre Tochter, ihre Familie und ihre Freunde. Sie erzieht Juliet alleine, hat Hoffnungen wie jeder andere Mensch. Diese werden allerdings zerstört, als sie die Diagnose Brustkrebs im Endstadium erhält. Schon einmal hat sie gegen die Krankheit gekämpft, nun jedoch hat der Krebs gestreut und die Aussichten sind schlecht.
Nachdem auch die Knochen befallen sind und Rabbit sich ein Bein bricht, wird sie in ein Hospiz überstellt, um dort ihre letzten Tage zu verleben.
Es wissen alle, dass ihre Zeit auf Erden abgelaufen ist, nur ihr Tochter ist noch nicht ganz im Bilde, obwohl auch sie schon ahnt, was auf sie zukommen wird.
Die Familie und ihre Freunde versammeln sich, um so viel Zeit wie möglich mit Rabbit zu verbringen. Zwischen Wachphasen und Schlaf wird gelacht, geweint, der Vergangenheit und allem voran Johnny gedacht. Johnny, ihre wahre und einzige Liebe, der voraus gegangen ist und auf Rabbit hoffentlich dort wartet, wo auch immer das sein mag.









Meine Meinung:
Ich habe das Buch gestern fertig gelesen. Die Tränen sind zahlreich geflossen. Nachdem ich die Taschentücher entsorgt habe, bin ich noch lange wach im Bett gelegen und habe über die Geschichte nachgedacht, an meine Cousine, die vor drei Jahren mit 39 an Krebs im Hospiz verstorben ist. Es ist die Wahrheit in dem Buch, die mich so berührt und mich so traurig gemacht hat. Wir haben uns auch in den letzten Tagen bei ihr versammelt. Wir haben uns erinnert, geweint, gelacht und das Schicksal verflucht. Dennoch ist das Leben weitergegangen. Die täglich Sorgen sind geblieben, das Gewöhnliche war immer noch da - nur meine Cousine fehlte und fehlt immer noch.
Auch der Perspektivenwechsel zwischen Rabbit, den einzelnen Familienmitgliedern und Freunden verstärkt die Geschehnisse, Eindrücke und Gefühle. Die Liebe, mit der die Autorin die Geschichte erzählt, ist in jeder Seite zu bemerken.

Dieses Buch wird in meinem Regal einen Ehrenplatz erhalten. Jeder, der schon so nah am Abschied eines geliebten Menschen dabei war, wird sich selbst in der Geschichte wiederfinden und nochmals um vergangene Zeiten, verpasste Gelegenheit weinen.

Im Zuge der Lektüre habe ich mich auch gefragt, warum tue ich mir so ein trauriges Buch eigentlich an? Es gibt so viele witzige, lustige Geschichte, wieso bleibe ich daran hängen?

Ich kann darauf keine pauschale Antwort geben. Manchmal sind Tränen sehr befreiend, auch wenn sie aus Trauer vergossen werden. Trauer im richtigen Leben geht unendlich tief, das ist ein Gefühl, das wir nicht gerne ertragen, aber leider lässt sich das nicht vermeiden. Wenn ich ein Buch wie dieses hier lese, dann erinnere ich mich an meine traurigen Zeiten, doch die Dauer ist begrenzt auf ein paar Seiten, ein paar Minuten, vielleicht sogar ein paar Stunden. Die Geschichte bleibt für immer bei mir, aber nicht die totale Verzweiflung.
Ich hoffe, ich habe mich einiger Maßen verständlich ausgedrückt. Falls nicht - dann gebt mir einfach Bescheid.

Hier noch ein paar Zitate, die ich mir markiert habe:

S. 177
Sie streckte den Arm aus, und er nahm ihre Hand. Sie hielten sich nur ganz kurz fest, quer über ihre Schwester hinweg, aber diese Geste schuf ein neues Band zwischen ihnen. Es war der erste Schritt in ihrer Beziehung als Geschwister ohne Rabbit.

S. 205
Und plötzlich brach ein Damm in ihm, und er fing heftig an zu weinen. Molly zog ihn an sich, und sie hielten einander unbeholfen fest, heulten wie kleine Kinder, während Britney Spears im Radio "Born To Make You Happy" sang.

S. 260
Ein paar Minuten lang aßen sie schweigend, bis der sechsjährige Bernard sich zu Wort meldete. "Mein Freund Aamir glaubt nicht an das Jesuskind. Er ist Vegetarier."

S. 300
"Sei nicht so scheißdramatisch, Rabbit!"
Rabbit drehte sich um und sah ihre Mutter an. "Sei nicht so scheißdramatisch? Ich sterbe, verdammt noch mal, Ma! Wenn ich jetzt nicht dramatisch sein darf, wann denn dann?"

S. 307
Rabbit zeigte Johnny den Mittelfinger.
Davey schüttelte den Kopf. "Mann, Rabbit du kannst Mutter Teresa nicht als sprechende Walnuss bezeichnen - das ist Blasphemie!"

S. 347
An dem Tag gab es nur einen einzigen Menschen im Raum, der nicht weinte, und das war der Mann, der zusammengekrümmt auf einem Stuhl saß und mit ganzer Leidenschaft aus dem dunkelsten Grund seiner Seele sang.

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Jung gebliebene 45 jährige Tirolerin wird beim Selfie von ihrem Kater Starsky bedrängt. Ich widme mich meinem Lieblingshobby dem Lesen. Büchern gilt meine Leidenschaft.

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