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Samstag, 24. Februar 2018

(Rezension) Hoover, Colleen - Nur noch ein einziges Mal



Bei der Beerdigung ihres Vaters, soll Lily eine Trauerrede halten. Doch sie bringt keinen Satz heraus. Dies liegt nicht daran, dass sie von Trauer überwältigt ist, sondern weil sie keine einzige positive Eigenschaft ihrem Vater zuordnen kann. Die Erinnerungen, die sie mit ihm verbindet, sind extrem schmerzhaft, denn er war jähzornig und gewalttätig. Nicht nur einmal musste sie sich zwischen ihn und ihre Mutter stellen, um sie zu beschützen. Trotz all dieser Erfahrungen hat ihre Mutter es niemals geschafft, ihren Mann zu verlassen.

Niemand durfte von der häuslichen angespannten Situation erfahren. Deshalb durfte Lily nie Freundinnen zu sich einladen. Als sich ein älterer Mitschüler im verlassenen Nachbarshaus einquartiert, springt Lily über ihren Schatten, um nachzuforschen, warum der junge Mann dort alleine im Geheimen ohne Strom und fließend Wasser wohnt. Im Verborgenen hilft sie Atlas, indem er bei ihr im Haus duschen darf und sie ihm Lebensmittel zusteckt. 
Atlas erzählt ihr von seinem Leben und Zukunftsplänen. Lily hört zu und erkennt in ihm einen Menschen, der es wert ist, geliebt zu werden. 

Als schließlich das Schicksal unbarmherzig zuschlägt, trennen sich ihre Wege und nur ganz langsam über einige Jahre heilt ihr verwundetes Herz.

Nach der denkwürdigen Trauerrede lernt Lily auf einer Dachterrasse Ryle kennen und mit ihm tauscht sie „Nackte Wahrheiten“ aus und startet damit ihr Leben neu.

"Nur noch ein einziges Mal" von Colleen Hoover

Verlag: dtv
Seitenanzahl: 416 Seiten
Erscheinungsdatum: November 2017


Wie hat es mir gefallen?


Ich habe das englische Original „It Ends With Us“ gleich nach Erscheinen gekauft und wenn ich auch nur ansatzweise geahnt hätte, wie sehr es mich bewegt, hätte ich es sofort gelesen.
Für mich ist es bisher ihr bestes Buch und wie sie im Nachwort schreibt, auch ihr persönlichstes. 

Die Geschichte dreht sich um Lily, die nach ihrem Studium in Boston einen Neustart wagt. Mit dem Tod ihres Vaters, glaubt sie auch ihre Kindheit und Jugend hinter sich zu lassen. Aber manche Dinge kann man nicht einfach abschütteln, man muss sich damit auseinandersetzen. In Lilys Fall liegen in der Erinnerung neben Schmerz aber auch Wut. Wut auf ihren Vater und auch auf ihre Mutter, die trotz der schlimmen körperlichen und seelischen Verletzungen sich nicht dazu entschließen konnte, ihren Mann zu verlassen. 

Ihre Erinnerungen an Atlas, ihre erste Liebe, dagegen kommen immer ans Licht und sie kramt in ihren alten Tagebüchern, die ihr auch die wundervollen Seiten der Liebe aufzeigen.

Als Ryle in ihr Leben tritt, findet sie in ihm einen Seelenverwandten. Beide arbeiten hart und viel. Sie beginnen eine Freundschaft, die sich langsam entwickelt. Dabei lernen sie sich gut kennen und obwohl Ryle keine engen Beziehungen eingehen will, verändert er sich zusehends. 

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden wird so gefühlvoll aber auch sehr realistische erzählt. Es kommt auch der Humor nicht zu kurz. Sie schwimmen auf der gleichen Wellenlänge. Beide verfolgen ihre Ziele und Träume. 
Aber die Autorin ist dafür bekannt, keine gewöhnlichen Stories zu erzählen. Sie greift immer wieder schwere und tiefgehende Themen auf. 

So auch dieses Mal: Gewalt in der Familie und im Besonderen gegen Frauen. Ein Thema das leider so viele betrifft. 
Für mich schafft es Colleen Hoover, ein schwerwiegendes Thema sehr differenziert zu beleuchten. Sie verzichtet auf die übliche „schwarz-weiß“ Malerei und vermischt die Tatsachen zu einem realistischen Grau. Sie ergreift eindeutig Partei für die Opfer, zeigt aber auf, wie schwer Entscheidungen zu treffen sind und wie vorschnell Vorurteile gefasst werden.

Hierzu hat mich die Stelle auf Seite 311 ungemein berührt:

„Es ist echt traurig, dass wir so etwas als erstes denken, wenn wir erfahren, dass jemand in einer Beziehung misshandelt wird und trotzdem nicht geht. Müssten wir nicht viel mehr Verachtung für denjenigen empfinden, der weiterhin misshandelt, als für denjenigen, der weiterhin liebt?“

Es gibt auch den Augenblick, als sich der englische Titel so komplett erklärt, dass ich Tränen in den Augen hatte. Wobei ich aber auch zugeben muss, dass mir der deutsche Titel dieses Mal auch sehr gut gefällt. 

Weiters habe ich noch eine Weisheit mitgenommen:

„So was wie schlechte Menschen gibt es nicht. Wir sind alle bloß Menschen, die manchmal schlimme Dinge tun.“

Das Buch kann hoffentlich für manche Frauen ein Weckruf sein. Die Geschichte ist zwar größtenteils fiktiv, könnte sich aber so oder so ähnlich abgespielt haben. Mir ist klar, dass dies ein Roman ist, aber ich setze meine rosarote Brille der Hoffnung nicht ab, dass es mach mal nur einen kleinen Schupps in die richtige Richtung braucht.


Über die Autorin:

Colleen Hoovers Erfolgsgeschichte ist beinahe unglaublich: Eigentlich schrieb sie ›Weil ich Layken liebe‹ als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter, aufgrund der guten Resonanz in ihrem Umfeld veröffentlichte sie es dann aber selbst als E-Book - und verkaufte zwei Monate später bereits 200 Bücher am Tag. ›Weil ich Layken liebe‹ landete noch vor ›50 Shades of Grey‹ auf der New-York-Times-Bestsellerliste! 

Mittlerweile hat sie drei Romane publiziert, die alle Bestseller wurden. 2014 erscheint bei dtv der Folgeband ›Weil ich Will liebe‹.

Colleen Hoover lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas. (Quelle: Amazon)

Weitere Bücher der Autorin:

Will&Layken - Eine große Liebe
Maybe Someday
Never Never



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