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Montag, 25. Juni 2018

(Rezension) Oseman, Alice - Solitaire



Victoria Spring, genannt Tori ist eine typisch 16jährige. Vielleicht aber auch nicht. Ihr täglicher Gang in die Schule gleicht einem Zwang, dem sie nicht entkommen kann. Jeder Tag gleich dem vorher gehenden. Ihre Freunde entgleiten ihr immer mehr. 

Nach den Weihnachtsferien überstürzen sich die Ereignisse. Die zwei neuen Schüler Michael und Lucas suchen auffällig oft ihre Nähe. Eine geheimnisvolle Organisation, die sich selbst Solitaire nennt, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Sie hackt sich ins Computersystem der Schule, um seltsame Post auf einem Blog zu veröffentlichen. 

Tori interessiert sich wenig dafür. Warum sollte sie auch? Veränderung wird auch dieses Phänomen nicht bringen. Ihre Ängste und Sehnsüchte kennt kaum jemand. Die Welt nimmt sie verzerrt, über das Internet wahr. Eine Jugendliche, die eine unglaubliche Traurigkeit in sich trägt.


"Solitaire" von Alice Oseman

Verlag: dtv verlagsgesellschaft
Seitenanzahl: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: August 2015


Wie hat es mir gefallen?


Ich habe meine Teenagerzeit schon ein paar Jahre hinter mir gelassen. Ich kann mich noch flüchtig daran erinnern und deshalb hat mich dieses Buch gereizt. 

Tori ist ein Teenager, der scheinbar kaum aus dem Schneckenhaus zu locken ist. Sie ist nicht schüchtern oder zurückhaltend. Sie kann sich zu nichts aufraffen und erscheint depressiv. Der Leser folgt Tori ständig und ist ihr somit sehr nah. Sie hat das Gefühl unter dem Erfolgsdruck, den Erwartungen und der Zukunftsplanung zu zerbrechen. Sie schafft es kaum aus dem Bett, welches sie eigentlich nicht verlassen möchte. Auf ihrem Blog schreibt sie über ihr leeres und scheinbar sinnloses Leben. Selbst mit ihrer besten Freundin Becky verbindet sich nichts mehr. Tori glaubt fest daran, dass alle nur Masken tragen, um ihr wahres Gesicht zu verbergen. 

Selbst als Michael zu ihr Kontakt aufnimmt, gelingt es Tori nicht ihre Melancholie abzuschütteln. Die Schwermut, die sie umgibt, ist nicht nur auf ihr Alter zurückzuführen. In ihrer Familie brodelt ein ständiges Feuer rund um ihren Bruder Charlie. 

Als Solitaire auf den Plan tritt, regt sich kurzfristig Interesse an diesem ungewöhnlichen Projekt. Für mich war dieses zu Beginn nicht nachvollziehbar aber ohne diese Einmischung von außen fehlt die Initialzündung, um die Geschichte in Bewegung zu bringen. 

Ich mochte das Buch. Mir gefiel die Sprache und der Schreibstil. Ob es sich mit „Der Fänger im Roggen“ vergleichen lässt, lasse ich unkommentiert. 

Tori als Hauptfigur fand ich auch gelungen. Sie lässt uns tief in ihr Gedanken blicken – ohne Filter und oft auch ohne Rücksicht auf Verluste. Die Geschichte ihres Bruders prägt sie. Da komme ich auch schon zu einem meiner größten Kritikpunkte. Ich hätte gerne so viel mehr über Charlie erfahren. Im Laufe der Story werden hin und wieder Stücke seines Schicksals, seiner Krankheit ausgestreut. Über Michael und Lucas hätte ich auch gerne mehr gelesen. Vor allem Michael schien ein ungewöhnlicher, interessanter Charakter zu sein. 

Die Geschichte zeigt einen kurzen Zeitraum im Leben eines 16jährigen Teenagers, der am Weltschmerz zu zerbrechen droht. Ein Schmerz, den wir alle kennen und überwinden konnten.




Weitere Bücher der Autorin:

Nick&Charlie (Kurzgeschichte zu Solitaire)
X wie Xmas (Kurzgeschichte zu Solitaire)


Kommentare :

  1. Hi Marie
    danke zu erst einmal für deinen kleinen Gruß bei mir auf dem Blog. Ich kann dir das Buch wirklich empfehlen :). Aber es traf auch bei mir einfach gerade den passenden Zeitgeist :).
    Wegen deiner Rezension, das klingt wirklich gut. Ich finde es interessant wie du das Buch bewertest und wie du es befindest.
    Sei lieb gegrüßt
    Nicole

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    Antworten
    1. Hallo Nicole,

      Gayle Forman mag ich tatsächlich gerne. "Irgendwas von dir" ist jetzt spontan bei mir eingezogen.

      "Solitaire" war ein etwas anderes Jugendbuch. Ich habe es gerne gelesen.

      GLG aus Tirol
      Marie

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