Social Media

Sonntag, 15. Juli 2018

(Rezension) Pröse, Tim - Jahrhundertzeugen (Anzeige)



"Jahrhundertzeugen" von Tim Pröse

Verlag: Heyne
Seitenanzahl: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2016




Vielen Dank an das Bloggerportal und der Verlag für das Rezensionsexemplar.


18 Zeitzeugen erinnern sich an eine dunkle Zeit in ihrem Leben. 

Tim Pröse hat in langer Recherchearbeit unzählige Fakten zusammengetragen. Er suchte und fand Menschen, die sich offen und im Geheimen gegen den totalitären Staat stellten. Sie überlebten oder wurden zu Opfern eines monströsen Machtapparats. 

Dem Vorwurf, dass wir schon genug über diese Zeit, über die Gräueltaten gehört hätten, möchte ich entgegnen, dass die Welt gerade heute wieder positive Vorbilder braucht. In diesem Fall Menschen, die sich ihren Werten und ihren Moralvorstellungen verpflichtet fühlten, ungeachtet aller Konsequenzen. 

Wie zum Beispiel Hans und Sophie Scholl, deren christlicher Glaube bis zu ihrem Tod unerschütterlich blieb. „Die Weise Rose“ lebt heute noch und erinnert an die Geschwister. Der Autor begibt sich in München und Bayern auf Spurensuche. 

Widerstand in den deutschen Reihen regte sich häufiger als allgemein bekannt. Graf von Staufenberg ist einer der berühmtesten. Mit ihm wurden Klaus von Dohnany, Baron von Boeselager und andere in einem furchtbaren Schauprozess schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Georg Elser dagegen erfuhr erst sehr spät Genugtuung. Ein einfacher Schreiner, der schon bald erkannte, dass dieses Regime gestürzt werden muss. Erst knapp vor Ende des 2. Weltkriegs am 9. April 1945 wurde er exekutiert. Seine zeitlose Botschaft Seite 195 „Ich bin ein freier Mensch gewesen … Man muss machen, was richtig ist. Wenn der Mensch nicht frei ist, stirbt alles ab.“ 

Tim Pröse vergisst nicht auf die „kleinen“ Helden. Mit Kurt Keller kehrt er zurück an den Omaha Beach und zum 6. Juni 1944. Ein Massaker, der ganz anderen Art. Hans Erdmann-Schönbeck erzählt von der Hölle von Stalingrad. 

Ich denke, jeder der sich jemals mit diesem Thema auseinander gesetzt hat, kennt Oscar Schindler. Ein Lebemann, Frauenheld, Alkoholiker und Kriegsgewinnler. Aber auch sein Gewissen meldete sich und mit seiner Frau Emilie rettet er 1200 Juden. Steven Spielbergs Film ging in die Geschichte ein. 

Eine ähnliche Überlebensgeschichte erzählt Jurek Rotenberg. Sein Retter hieß Berthold Beitz. 1500 jüdische Arbeiter versorgte und versteckte er mit seiner Frau. Nach über sieben Jahrzehnten treffen die beiden sich wieder. 

Viele Einzelschicksale beleuchtet der Autor hier. In einem so unglaublich komplexen, widerwärtigen Krieg gab es Lichtblicke der Menschlichkeit. Diese konnten jedoch fatale Folgen haben, die allen Beteiligen gegenwärtig waren. Dennoch riskierten sie alles, nicht nur ihr eigenes Leben sondern oft auch das ihrer Familien. Sippenhaft war dem SS Regime nicht unbekannt. 




Zum Schluß möchte ich Tim Pröses Worte auf Seite 19 entlehnen: 

„Die Sehnsucht nach solchen Vorbildern und ihren Idealen ist heute wieder groß, da viele Ohnmacht und Angst verspüren, weil morgen schon nicht mehr gilt, was gestern noch gewiss war. Das Vertrauen in die Politik schwindet immer mehr, Verfolgte fliehen nach Deutschland, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keimen wieder einmal auf, der Terrorismus breitet sich aus, und neue Kalte Kriege drohen. In solchen Zeiten haben die „Jahrhundertzeugen“ eine Botschaft, ein Vermächtnis weiterzugeben. Es soll nicht belasten, sondern bestärken.“


Werbung

Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:



Verlag: Bloggerportal



Ich bedanke mich beim Bloggerportal, das mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Dies hat meine Meinung jedoch in keinster Weise beeinflusst.




1 Kommentar :

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars wird man personenbezogene Daten speichern, nämlich Name, E-Mail und IP-Adresse. Durch Absenden des Kommentars erklärt der User sich hiermit einverstanden.