Social Media

Donnerstag, 20. September 2018

(Rezension) Dalcher, Christina - Vox



#100wörter pro Tag für jede Frau in den USA. Mit dieser neuen Realität muss sich Jean nun abfinden. Vor gerade mal einem Jahr forschte sie sehr erfolgreich an einer Lösung für eine Gehirnkrankheit. An ihrem Arbeitsplatz sitzt nun ein Mann, denn Frauen brauchen nicht mehr zu arbeiten. Heute darf sie sich nur mehr um ihren Ehemann, ihre 4 Kinder und den Haushalt kümmern. Ein Armband an ihrem Handgelenk erinnert sie ständig daran, ihren Mund geschlossen zu halten. 

Ihre Tochter Sonia muss diesen Wortzähler natürlich auch tragen. Ihr Lehrplan verändert sich gravierend, nur noch die grundlegenden Kenntnisse werden vermittelt, damit aus den Mädchen gute folgsame Mütter und Hausfrauen werden. 

Jean sieht eine grauenvolle Zukunft für sich und ihre Tochter aufziehen, als sich ihr eine einzigartige Chance bietet, die sich nicht ungenutzt verstreichen lassen will.


"Vox" von Christina Dalcher

Verlag: S. Fischer
Seitenanzahl: 400 Seiten
Erscheinungsdatum: August 2018



Wie hat es mir gefallen?


Dieses Buch geistert schon seit einigen Wochen in den Sozialen Medien herum. Das Cover und der Klappentext machten mich unglaublich neugierig. Die Geschichte hat sich nun einige Tage erst bei mir setzen müssen, um eine passende Rezension zu schreiben. 

Ich werde gleich vorab sagen, dass mich das Ende ein wenig enttäuscht zurückgelassen hat. Alles in allen ein wenig zu … nennen wir es mal „hollywood-like“. 

Die Grundidee und wie es zu dieser Situation in den USA kommen konnte, finde ich heute noch genial und gleichzeitig sehr beängstigend. Ich habe versucht in den Tagen nach dem Beenden des Buches meine Wortanzahl zu zählen. #100wörter sind unglaublich wenige. Am Wochenende verbrauche ich diese bereits beim Aufstehen, wenn ich mit meinem Mann diskutiere, wer das Frühstück machen soll. 

Unvorstellbar sich so beschränken zu müssen. Anfangs bezog ich diese #100wörter eigentlich nur auf Jean oder mich selbst. Erst nach und nach erfasste mich das wahre Grauen. Alle Mädchen müssen den Wortzähler tragen. Ihnen wird es verwehrt sein, ganze Sätze zu erlernen. Niemand hat mehr überflüssige Wort zur Verfügung. Ein-Wort-Sätze werden die Folge sein und somit verkümmert nach nur einer Generation das Sprachvermögen der Frauen. Ihnen entzieht man(n) somit nicht nur die Stimme, sondern ihre Rechte, ihre Träume und ihre Möglichkeiten.

Dieses Szenario erfüllte mich mit Schrecken, denn kampflos würde ich meine Stimme niemals aufgeben. Damit komme ich zu einem weiteren Pluspunkt dieser Geschichte: den Nebenfiguren. Jean und Sonia stehen natürlich im Mittelpunkt. Mit der gesamten Besetzung ergibt die Story (bis zu einem gewissen Punkt) ein abgerundetes Bild, das mich öfter überrascht hat. Oft steht und fällt ein Buch mit den Nebencharakteren. So verhält es sich auch hier. Jede einzelne passt genau und bringt die Geschichte wieder ein Stück weiter. 

Ein gelungenes Buch mit einer einzigartigen Handlung, die leider mit dem Ende gelitten hat. Die Autorin setzt die fiktive Situation gekonnt in Szene und an manchen Stellen musste ich sogar das Buch zu Seite legen, um meine Wut unter Kontrolle zu bekommen.



Über die Autorin:

Christina Dalcher pendelt zwischen den Südstaaten und Neapel. Die gebürtige Amerikanerin, zu deren Helden Stephen King und Carl Sagan zählen, promovierte an der Georgetown University in Theoretischer Linguistik und forschte über Sprache und Sprachverlust. Ihre Kurzgeschichten und Flash Fiction erschienen weltweit in Magazinen und Zeitschriften, u.a. wurde sie für den Pushcart Prize nominiert. »Vox« ist ihr Debütroman. (Quelle: Amazon)



Kommentare :

  1. Hallo Marie,

    dieses Buch hat mich auch total überrascht. Als Reziexemplar habe ich es bekommen, ansonsten hätte ich wohl gar nicht selbst zugegriffen. Doch die Thematik finde ich total spannend umgesetzt und auch die Erzählung an sich konnte mich völlig überzeugen. Das Ende finde ich schon recht thrillerlike, aber zu diesem Buch passt es.

    Liebe Grüße
    Barbara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Barbara,

      das Ende bewertet jeder total anders. Das überrascht mich am allermeisten. Aber der Grundgedanke ist eindeutig sehr gruselig.

      GLG
      Marie

      Löschen
  2. Ich habe ja das Buch heftig empfohlen und kann deine Emotionen sehr gut nachvollziehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Franzi,

      das Buch war echt heftig zu lesen. Eine Grundidee, die so unglaublich ist, dass ich sie lange Zeit mit mir tragen werde.

      GLG
      Marie

      Löschen
  3. Hey Marie,

    ich habe das Buch auch gelesen und wurde aber irgendwie enttäuscht. Mir fehlte das ganze Drumherum, mir war es einfach zu wenig. Die Rezi dazu möchte ich heute noch schreiben.

    Der Gedanke an nur 100 Wörter am Tag finde ich auch richtig furchtbar, eigentlich kaum vorstellbar.

    Liebe Grüße
    Charleen

    AntwortenLöschen

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars wird man personenbezogene Daten speichern, nämlich Name, E-Mail und IP-Adresse. Durch Absenden des Kommentars erklärt der User sich hiermit einverstanden.