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Freitag, 23. November 2018

(Rezension) Richman, Alyson - Abschied in Prag

Prag in den 1930igern:

Lenka lebt ein sorgenfreies Leben mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester. Sie strebt ein Studium an der Kunstakademie an. Ihr Talent und ihr Wille bringen sie an ihr Ziel und dort lernt sie Veruska kennen. Bei einem ihrer zahlreichen Besuchen trifft sie auch Josef Veruskas Bruder. Für sie ist es Liebe auf den ersten Blick, aber sie ist sich seiner Reaktion überhaupt nicht sicher.

Zu dieser bedeutenden Frage kommen noch die großen Probleme, die der Einmarsch der Deutschen Truppen, mit sich bringen. Jeden Tag werden neue Verbote erlassen. Es treten Gesetze in Kraft, die die Freiheit der tschechischen Juden immer mehr einschränken. 
In diesen verstörenden Tagen leben Lenka und Josef ihre Liebe. Als Josef die Ausweglosigkeit ihres Schicksals erkennt, macht er Lenka einen Heiratsantrag, den sie gerne annimmt, um eine Woche nach der Hochzeit von ihrem Mann getrennt zu werden. 

Erst knappe sechs Jahrzehnte später treffen sie sich wieder, obwohl jeder angenommen hat, der andere wäre während des Zweiten Weltkriegs gestorben.


"Abschied in Prag" von Alyson Richman

Verlag: Diana
Seitenanzahl: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: Dezember 2017


Wie hat es mir gefallen?



Dieses Buch war auf meiner Wunschliste zu meinem Geburtstag und meine liebe Freundin Lisa überraschte mich mit einem Buchpaket, in dem auch „Abschied aus Prag“ zu finden war. 

Die dunkelste Zeit in der Geschichte Deutschlands und Österreich begleiten unzählig herzzerreißende Stories, die den Opfern Namen und Gesichter geben. Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, sind diese Bücher so unglaublich wichtig. Auch wenn die Geschichte nicht zu 100 % wahr ist, sind die Grundlagen historisch untermauert. 
So auch die Liebesgeschichte von Lenka und Josef. Eine wundervolle Liebe entstand, wurde durch das Eheversprechen besiegelt und eine Woche später mussten sie sich trennen. 

Das Schicksal der beiden könnte nicht unterschiedlicher sein. Josef kann über den großen Teich nach New York fliehen. Lenka jedoch wird mit ihrer Familie nach Theresienstadt deportiert. Ihr Leben, das von schleichend immer schlechter wurde, hat mir wieder vor Augen geführt, wie grausam Menschen sind. Ein normales Leben, mit Kunst, Kultur, Familie, Geborgenheit und Freiheit wurde zu einem täglichen Kampf gegen Hunger, Durst, Insektenbefall und dem allgegenwärtigen Tod. 

Dass die Überlebenden der Shoa wieder ins „normale“ Leben gefunden haben, bewundere ich und stehe sprachlos vor solchen Erinnerungen an Elend, Trauer und Leid. Wie konnten sie geistig fit bleiben, obwohl ihre Erlebnisse sie bis in ihre Träume folgten? 

Die Autorin beschreibt aus wechselnder Sichtweise als Erzählerin die Geschehnisse. Mit viel Feingefühl lässt sie den Leser an Lenkas und Josefs Leben teilnehmen. Es gelingt ihr die Beschreibungen in den KZs nicht zu sehr ins Zentrum zu rücken. Sie geht davon aus, dass der Leser schon einiges von dieser Zeit weiß. 

Ich habe mich anschließend noch mit Theresienstadt beschäftigt. Die „Kunstszene“ lebte hier im Verborgenen und brachte unglaubliche Leistungen zu Tage. Egal ob Theaterstücke für Kinder, Opern und Vernissagen in dem Lager gab es heimlichen Widerstand, der niemals gebrochen werden konnte. Er forderte viele Tote, aber von dort existieren heute noch Zeichnungen vom Alltag. Kinderzeichnungen, die sowohl von Hoffnung und Träumen zeugen als auch erschreckend traurige Einblicke in verwundete Kinderseelen. 

Dieses Buch ist ein weiterer wichtiger Roman, der gegen das Vergessen arbeitet.




Eine besondere Stelle auf Seite 219
Im hohen Alter bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass Liebe kein Substantiv ist, sondern ein Verb. Ein Tun. Wie Wasser fließt sie in ihrem eigenen Tempo. Sie aufhalten zu wollen wäre zwecklos. Selbst nach einer Trennung, selbst nach dem Tod bewegt sie sich weiter und ändert ihre Gestalt. Sie lebt in der Erinnerung an eine Berührung, einen Geruch, den Klang eines Seufzers. Sie will Spuren hinterlassen wie ein Fossil im Sand, wie ein Blatt, das auf dem heißen Asphalt vertrocknet. Ich habe nie aufgehört, Lenka zu lieben, selbst als die Briefe zurückkamen, selbst als ich in der Zeitung von den Millionen ermordeten Juden las, die in einer unendlichen Wolke aus schwarzem Rauch in den Himmel aufgestiegen waren. 

Über die Autorin:

Alyson Richman ist amerikanische Bestsellerautorin und hat bereits mehrere Romane verfasst, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf Long Island, New York.

Weitere Leserstimmen:

Sabine von Buchmomente





1 Kommentar :

  1. Liebe Marie,
    Theresienstadt war das "Vorzeige-KZ" der Nazis. Als es aber dem Ende zuging, wurden alle in andere KZ abtransportiert, vorwiegend nach Ausschwitz oder Dachau, wo es kaum ein Überleben gab und Theresienstadt geschlossen.
    Ich muss den Roman noch lesen, habe aber bereits einige Bücher zum Thema Holocaust gelesen, sowohl Romane, als auch Biografien.
    Liebe Grüße von NÖ nach Tirol
    Martina

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