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Samstag, 11. Januar 2020

(Rezension) Storks, Bettina - Leas Spuren


In Stuttgart erhält Marie den Brief eines Notars aus Paris. Ihre Anwesenheit bei einer Testamentseröffnung ist erwünscht. Die Verbindungen nach Frankreich liegen weit in der Vergangenheit, dennoch besteigt Marie den Zug, um den Termin wahrzunehmen. 

Sie erfährt, dass sie eine Wohnung im 11. Arrondissement gemeinsam mit Nicolas Blanc geerbt hat. Allerdings sind damit einige Verpflichtungen verbunden. Victor Blanc, der Großvater von Nicolas möchte, dass die zwei sich gemeinsam auf die Suche nach einem besonderen Bild machen: "Mädchen im Jardin du Luxembourg" von Jakob Stern, einem jüdischen Maler. Das Gemälde ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden und damals war Kunstraub ein tagtägliches Geschäft. 

Sowohl Marie als auch Nicolas machen sich auf die Suche nach Hinweisen. Sowohl in offiziellen Verzeichnissen und Listen als auch in den Familien. Marie versucht ihrer Großmutter Fredi Informationen über dessen Schwester zu entlocken, diese schweigt jedoch beharrlich, wie schon immer. Auch bei Nicolas verlaufen die Gespräche sehr bescheiden. 

So fügen sie die Teile mühsam zusammen, um weitere Hinweise auf Charlotte und Victor zu erhalten. Welche Verbindung hatten die beiden zueinander? Welche Rolle spielten die beiden im besetzen Paris?


"Leas Spuren" von Bettina Storks

Verlag: Diana
Seitenanzahl: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2019



Wie hat es mir gefallen?


"Das geheime Lächeln" der Autorin las ich vor ziemlich genau einem Jahr und mir gefiel das Buch sehr gut. Meine französischen Wurzeln ziehen mich immer wieder zu solchen Geschichten. Zumal auch in unserer Familie großes Schweigen über die Besatzungszeit herrscht. 

In zwei Zeitebenen erzählt Bettina Storks diese Geschichte. Marie und Nicolas suchen nach Hinweisen und Informationen über ihre Vorfahren, die im besetzten Paris gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Beide sind überrascht, welche Aufgabe ihnen auferlegt wurde und sie stürzen sich in die Arbeit, denn sie wollen wissen, wie ihre Leben miteinander verbunden sind. 

Charlotte kommt in die deutsche Botschaft nach Paris. Ihr Schicksal hat mich von der ersten Seite gepackt. Sie ist so eindringlich beschrieben, dass ich schnell das Gefühl hatte, sie gut zu kennen. 
Auch Nicolas fand ich sehr sympathisch, wenn es auch ein wenig gedauert hat, wie ich ihn einschätzen sollte. 
Der Krieg verändert die Menschen und jeder muss für sich entscheiden, welche Wege er geht. Charlotte und Nicolas müssen täglich ihren moralischen Kompass neu ausrichten. 

Neben den gefühlvollen Beziehungen spielt auch die intensive Suche nach einem Aquarell eine große Rolle. Dabei erfährt der Leser auch einiges über die Judendeportationen im Jahr 1942. Dabei waren sehr viele Franzosen willfährige Helfer der deutschen Besatzer. 

Der Titel des Buches erklärt sich im Laufe der Lektüre und ich persönlich finde ihn sehr passend. 

In dem Buch tauchen historische Personen auf, wird Bezug auf tatsächlich Geschehenes genommen und auch fiktionale Charaktere eingewoben. Damit eine sehr gelungene Geschichte, die gegen das "Vergessen" steht, aber nie den erhobenen Zeigefinger schwingt und kollektiv über Schuld oder Unschuld entscheidet. 




Über die Autorin: 

Bettina Storks, geboren 1960 in Waiblingen, studierte Romanistik, Deutsche Philologie sowie Kulturwissenschaften und promovierte an der Universität Freiburg. Nachdem sie mehrere Jahre als Redakteurin tätig war, veröffentlichte sie ihre Romane "Das Haus am Himmelsrand" und "Die Stimmen über dem Meer". Bettina Storks lebt in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee. (Quelle: Amazon)

Weitere Bücher der Autorin:

Die Stimmen über dem Meer

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