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Montag, 5. April 2021

(Rezension) Godeysen, Hubertus - Sommersturm (Anzeige)

 

Sommersturm von Hubertus Godeysen

Verlag: Charles Verlag

Seitenzahl: 392 Seiten

Erscheinungsdatum: Februar 2021


Klappentext:

Fünf Jahre nach der großen Flüchtlingswelle im Sommer 2015 blickt dieser dokumentarische Roman auf die damaligen Ereignisse zurück. Er beleuchtet 25 Tage voller Dramatik, Gefahr, Verzweiflung, Not und Menschlichkeit und erzählt von bewegenden Einzelschicksalen. Der Roman gibt den anonymen Flüchtlingen und den unbekannten engagierten Helfern Gesicht, Stimme und eine eigene Identität. Wie das politische Krisenmanagement in Berlin, Brüssel, Wien und Budapest aussah und welche Auswirkungen es auf die Menschen in Norddeutschland hatte, zeigt der Roman anschaulich und feinfühlig.



Mein Eindruck:

Welche Erinnerungen habt ihr an den August/September 2015?


Ich weiß noch, dass ich mich auf meinen Honeymoon in Schottland gefreut habe. Wir haben geplant und auf gutes Wetter gehofft.
Jedoch hat die Weltpolitik einen tiefen Eindruck hinterlassen:
Gekenterte Schiffe mit viel zu vielen Flüchtlingen an Bord.
Ein 3jähriger Junge, der ertrunken ist und an der türkischen Küste angespült wurde.
71 tote Flüchtling in einem kleinen LKW eingepfercht
Ein "March of Hope" von Budapest an die österreichische Grenze von ca 1300 Flüchtlingen
unzählige Bilder von Menschen, am Ende ihrer Kräfte aber hoffnungsvoll auf ein friedliches Leben


In seinem Roman "Sommersturm" nimmt sich der Autor Hubertus Godeysen all dieser Erinnerungen an.
Mit der Definition eines "dokumentarischen Romans" konnte ich rein gar nichts anfangen. Ich befürchtete schon eine wissenschaftliche Aufzählung, eine spröde und harte Erzählung von Fakten und Daten.
Ich wurde positiv überrascht. Aus 3 verschiedenen Perspektiven werden die entscheidenden Tage im August/September 2015 geschildert.
Eine Gruppe von Flüchtlingen, die sich an der Küste der Türkei das erste Mal treffen, um gemeinsam den gefährlichen Weg in Richtung Europa auf sich nehmen.
Ein Bürgermeister einer 831 Seelengemeinde Norddeutschlands und ein paar Bewohner, die 60 Menschen aus fernen, fremden Ländern aufnehmen sollen.
Ein Mitarbeiter des deutschen Innenministeriums, der Kontakte zur EU und zu anderen Ländern herstellt, um dieser Situation Herr zu werden.
Der zusatz "Dokumentarischer Roman" hat mich anfangs ein wenig abgeschreckt. Denn die Möglichkeit bestand, dass die Geschichte zu wissenschaftlich, zu spröde oder gar zu aufzählerisch beschrieben wird.
Doch ich kann hier an dieser Stelle alle beruhigen. Der Schreibstil ist nicht kompliziert oder gar lehrerhaft. Mit sehr viel Empathie für alle Seiten schafft es der Autor einen Zeitraum in Erinnerung zu rufen, der in vielen Menschen viele manchmal gar extreme Emotionen hervorgerufen hat. Von starkem Hass zu absoluter Hingabe war damals alles dabei und Hubertus Godeysen wird dem gerecht, indem er auch die Schattenseiten erwähnt.


Wer sich dem Thema "Flucht" widmen möchte, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Es überfordert einen nicht. Eine gute Möglichkeit sich diesem Thema erstmals zu widmen, sich langsam heranzutasten und sich anschließend noch näher damit zu beschäftigen und zu lernen. 

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